Food Report: Retail-Trends

Die Einkaufsmöglichkeiten werden heutzutage immer vielfältiger und nachhaltiger. Neben Supermärkten und Discountern punkten aus diversen Gründen Direktvermarktungen der Landwirtschaft bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Infolge der Digitalisierung und der Lockdowns während der Corona-Pandemie haben sich zudem noch mehr Online-Plattformen und auch Verkaufsboxen von Höfen etabliert.

16.12.2024

| Autorin: Stefanie Weiser

| Lesezeit: 6 Min.

Food Report: Retail-Trends

Zwar dominieren Supermärkte und Discounter immer noch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), jedoch haben sie auch mit allerlei Kritik zu kämpfen. Gleichzeitig entstehen neue kreative Einkaufskonzepte, wie Biokisten, Verkaufsautomaten oder Container-Shops. Zudem werden Bauern- und Wochenmärkte immer beliebter und Markthallen entstehen. Hier stehen das Erlebnis und der Genuss im Fokus, nicht der reine Konsum. Zudem punkten diese Einkaufsmöglichkeiten besonders durch Saisonalität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Dabei entsteht eine Interaktion zwischen der Erzeugerseite mit den Konsumentinnen und Konsumenten, so dass es zu einem Austausch und zu sozialer Interaktion kommt und die Kundschaft mehr Transparenz erfährt.

Supermärkte stehen in der Kritik – alternative Einkaufsmöglichkeiten sind gefragt

Noch werden zwischen 70 und 80 Prozent der Lebensmitteleinkäufe in Supermärkten und Discountern getätigt, aber schon länger stehen diese deutlich in der Kritik. Vor allem in Deutschland und Österreich bestimmen ein paar wenige Unternehmen den Markt, wodurch Handelskonzerne eine massive Macht erhalten. Besonders Landwirtinnen und Landwirte fühlen sich von diesen zu Größenwachstums und Intensivierung gezwungen. Aber auch Konsumentinnen und Konsumenten fühlen sich aufgrund der mangelhaften oder unverständlichen Kennzeichnung von Waren getäuscht. Zudem kritisieren Verbraucherschutzorganisationen die intransparente Preispolitik und die fehlende Nachhaltigkeit bei den Lieferketten. All diese Kritikpunkte führen dazu, dass alternative Einkaufsmöglichkeiten, die einen nachhaltigeren Konsum fokussieren, in das Rampenlicht treten. Landwirtinnen und Landwirte nutzen Direktvermarktungen wie Straßen-, Bauern- oder Wochenmärkte. Zudem entstehen Markthallen und vor allem in Großstädten entstehen immer mehr Feinkostläden, Boutique-Bäckereien und Bistros mit spezifischen Lebensmittelangeboten.

Angebot im Supermarkt
© unsplash
Wochenmarkt
© pixabay

Märkte bieten mehr als bloßen Konsum

Auf Wochen-, Bauern- oder Straßenmärkte wird das Einkaufen durch das umfassende Frischeangebot und die Möglichkeit mit den Produzenten direkt kommunizieren und sich austauschen zu können, zu einem wahren Erlebnis. Dank dieser Einkaufsmöglichkeiten werden auch die Innenstädte wieder mehr belebt. Zudem beleben sind auf solchen Erzeugermärkten auch öfter alte und neue Obst- und Gemüsesorten zu finden, die es in Supermärkten eher selten ins Angebot schaffen. Beim Einkaufen auf Märkten werden außerdem mehrheitlich eigene Taschen und Behältnisse genutzt und somit zur Reduktion von Verpackungen beigetragen. Alternative Einkaufsmöglichkeiten punkten mit Faktoren, die von Saisonalität und Regionalität, über Nachhaltigkeit, Besonderheit und Vielfalt, bis hin zu Fairness und Interaktion zwischen Verkäufer- und Käuferseite reichen.

Hanni Rützler fasst das in einem Zitat sehr treffsicher zusammen: „Der Vorzug eines Bauernmarktes besteht gerade darin, dass es nicht zu jeder Jahreszeit alles gibt. Er inspiriert – zu neuen Produkten und zu neuen Gerichten.“

Einkaufsverhalten ist oft durch den Geldbeutel bestimmt

Es ist nicht jedem möglich, dort einzukaufen wo er gerne möchte. Menschen, bei denen das Geld knapp ist, sind auf Caritas- oder Sozialmärkte angewiesen. In Deutschland besuchen laut Tafel aktuell fast zwei Millionen Menschen regelmäßig eine dieser Einrichtungen. Der Grund sind die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Tafeln leisten neben ihrer Versorgungsfunktion aber auch die Aufgabe, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Durch die zunehmende Zahl derer, die auf die Tafel angewiesen sind und den sinkenden Lebensmittelüberschuss infolge von verbesserten Bedarfsprognosen haben die Tafeln aktuell mit erheblichen Engpässen zu kämpfen.

Leerer Geldbeutel
© unsplash

Direktvermarktung für Bio-Betriebe besonders wichtig

Ökologisch wirtschaftende Betriebe erzeugen durch den direkten Kontakt sowie ihr hochwertiges regionales Angebot an Bio-Lebensmitteln eine stärkere Identifikation mit ihrem landwirtschaftlichen Konzept sowie ein positives Image ihrer Produkte. Dabei tun sich die Direktvermarkter oft zusammen, um somit Risiken zu minimieren und die Abhängigkeit von Handelskonzernen zu reduzieren. Sie nutzen beispielsweise gemeinschaftliche digitale Vermarktungs-Plattformen, Verkaufs-Automaten sowie Regionalboxen und Container-Verkaufsboxen. Hier können dann auch nicht supermarkttaugliche Formen und Größen sowie nicht supermarktfähige Mengen angeboten werden.

Alternative Einkaufsmöglichkeiten wie Straßen- Wochen- und Bauernmärkte stellen also einen wichtigen Bestandteil der lokalen Wirtschaft dar und bieten zahlreiche Vorteile – sowohl für die Erzeuger-, als auch die Konsumentenseite. Es kommt zu sozialer Interaktion und Wissensaustausch, die Kunden erhalten mehr Transparenz und die Produzenten bessere wirtschaftliche Erträge. Zudem führt die breite Vielfalt an Sorten zu einer Förderung und Erhaltung der Biodiversität. Positiv ist auch der reduzierte Gebrauch von Verpackungen und Plastik auf solchen Märkten. Der bedarfsgerechte Einkauf fördert zusätzlich die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung in den privaten Haushalten. Die fortschreitende Digitalisierung, angetrieben durch die Lockdowns während der Corona-Pandemie, hat außerdem hofeigene Webshops, gemeinsame Online-Plattformen mit Liefermöglichkeiten und bäuerliche Verkaufsboxen hervorgebracht, so dass der Erwerb von regionalen Produkten und Spezialitäten heute für die Kundinnen und Kunden viel leichter möglich ist.


Im aktuellen Food Report 2025 offenbart Hanni Rützler nicht nur Insights für den Retail. In unserem Artikel „Gastro-Trends“ könnt ihr nachlesen, mit welchen Herausforderungen die Gastro-Szene zu kämpfen hat und welche neuen Konzepte daraus entstanden sind.


BEITRAG TEILEN

WEITERE ARTIKEL, DIE DICH INTERESSIEREN KÖNNTEN

Was bedeutet Ökotrophologie? An welchen Hochschulen kann man Ökotrophologie studieren? Und was hat das mit uns als Agentur zu tun? All diesen Fragen sind wir in unserem Beitrag nachgegangen. mehr
Musik macht Social-Media-Inhalte lebendiger, kann für Unternehmen aber schnell teuer werden. Was privat erlaubt ist, gilt für gewerbliche Accounts nicht. Die Plattform-Lizenzen decken nur die private Nutzung ab. Unser Leitfaden räumt mit den häufigsten Irrtümern auf und zeigt, welche Regeln auf Instagram, TikTok und LinkedIn gelten und welche Alternativen funktionieren. mehr
Ob Interview, Podcast, Paneldiskussion oder Krisensituation: Wer öffentlich kommuniziert, steht unter Beobachtung. Aussagen werden bewertet, Schlagzeilen entstehen oft innerhalb weniger Sekunden und der erste Eindruck entscheidet häufig über Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Genau hier setzt Medientraining an. Es hilft Menschen dabei, auch unter Druck sicher, authentisch und wirkungsvoll zu kommunizieren. mehr
Nach oben scrollen